Halloween, die Nacht der grauenhaften Idioten
von Harry Kayne am Okt.29, 2007, unter Gesellschaft
Oh nein, übermorgen ist der 31. Oktober. Dann gehen sie wieder um, die Idioten mit den grauenvollen Gummimasken. Sie laufen durch die Gegend, klingeln an Türen, und freuen sich, wenn Oma Pachulke ihnen einen Riesenschreck vorgaukelt. Und dann gibt’s was Süßes. Und die Älteren gehen im Dracula- oder Zombiekostüm mit einer Packung Marilyn-Manson-CDs unter dem Arm auf eine Party. Und warum machen sie das? Weil der ganze Humbug aus Amerika kommt, dem Land der unbegrenzten Doofheiten, und deshalb ist das cool.
Einmal im Jahr ist Horror schick. Dann ist es lässig, ein Zombie zu sein, vielleicht ein Beil im Kopf zu tragen oder mindestens ein Messer in der Kehle stecken zu haben. Das Problem daran: dieselben Pfeifen, die sich Ketchup über das Rüschenhemd kippen und plötzlich irre gruselig sind, machen an den restlichen 364 Tagen im Jahr ein ziemlich langes Gesicht, wenn ich ihnen mein Lieblings-Filmgenre nenne. „Ich sehe gerne Horror, am liebsten schön blutig“, sage ich nur, und die Kinnlade meines Gegenübers nähert sich dem Erdmittelpunkt. Und dann geht die Tirade los: „Wie kann man nur so etwas perverses sehen!“ und „So ein Schwachsinn!“ sind noch die netten Aussagen. Aber am 31.Oktober ist alles anders. Da ist Horror nämlich trendy.
Die größten Frechheiten zum Zombie-Festival präsentieren jedoch unsere geliebten Fernsehsender. Dann gräbt nämlich jeder von ihnen sämtliche angeranzten Horrorschinken aus seinem Fundus, um sie dem gruselgeneigten Publikum zu verabreichen. Doch es sind nicht die Filmfassungen, die einem Horror-Klassiker gebühren. Nein, die selbsternannten Spielfilmsender werden selbst zum Schlächter, setzen die Kettensäge an und säbeln sämtliche Gewaltszenen gnadenlos heraus. So verkommt der eigentlich ganz saftige Vampir-Schinken „Blade“ in der um elf Minuten gekürzten Fassung zu einem luschigen Rassendrama mit viel Dialog. Genauso ein Hammer: Pro7 schaffte es 1996, den eigentlich recht unblutigen Klassiker „Halloween – Die Nacht des Grauens“ um mehr als drei Minuten zu erleichtern. Von der jährlichen Vergewaltigung von „From dusk till dawn“ wollen wir hier mal gar nicht sprechen.
Mein Vorschlag für die ganzen Hobby-Zombies: Bleibt doch bitte am 31. Oktober zu Hause und schaut euch lieber ein toll spannendes Dialog-Drama oder eine Liebeskomödie im Fernsehen an. Ihr tut euch damit nur einen Gefallen. Und als Gegenleistung gehe ich wieder alleine zum Fantasy Filmfest. So kann jeder für sich in Frieden ruhen.
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