Wörterkraftwerk

Die deutsche Wirtschaft outet sich

von Harry Kayne am Dez.05, 2007, unter Wirtschaft

Es ist das Coming-out des Jahres. Unsere liebe deutsche Industrie hat mal wieder gezeigt, was ihr tatsächlich wichtig ist: Geld. Und für was sie sich einen Scheiß interessiert: andere Menschen. Danke für diese eindrucksvolle Demonstration. Jetzt weiß ich, welche Leitlinien wirklich die Geschicke unserer Wirtschaftsbosse flankieren.

Da hatte doch unsere Bundeskanzlerin die Frechheit, das tibetanische Oberhaupt, den Dalai Lama zu einem Besuch zu empfangen. Da aber Tibet um seine Unabhängigkeit kämpft, China aber das Dach der Welt gerne in den eigenen Sozialistenzirkus eingemeinden will, gab es Stunk mit den gelben Menschen unter der roten Fahne. „Wenn ihr mit dem Lama sprecht, reden wir nicht mehr mit euch“ – so oder so ähnlich dröhnte es plötzlich aus dem fernen Peking. Eigentlich ein blöder Spruch, der besser zu einem eingeschnappten Teenager passt, als zu einem Staatsmann. Aber so sind die Chinesen. Rollen mal eben die Weltwirtschaft von hinten auf, aber ihre Führer benehmen sich dabei wie die Kinder. Wohlgemerkt: Der Dalai Lama ist der Friedensnobelpreisträger von 1989 und nicht irgendein speckiger Rebellenführer.

Die Anzugträger der deutschen Wirtschaft fürchten natürlich nun um ihre Millionen kleinen Käuferlinge im Reich der Mittelmäßigkeiten. Deshalb gingen sie mit unserer couragierten Angela Merkel hart ins Gericht und wollten ihr einen Schmusekurs verordnen. Frei übersetzt: Sie soll doch mal Menschenrechte einfach Menschenrechte sein lassen. Und das mit der Unterdrückung und der Pressefreiheit ist doch auch gar nicht so schlimm. Ein paar Tote fallen in China eh nicht auf. Ein verschämt geheim gehaltener Banker betonte die „klaren wirtschaftlichen Interessen“ und fügte hinzu: „Man muss aufpassen, dass man den Fuß in der Tür behält“. Inzwischen lehnte die Deutsche Post eine Briefmarke mit dem Dalai Lama ab, um das China-Geschäft der DHL nicht zu versauen.

Was für ein verlogenes Pack! Pausenlos gaukeln uns deutsche Firmen vor, wie ach so nachhaltig sie doch wirtschaften. Wohlgemerkt: Unter „nachhaltig“ versteht die Branche unter anderem die Achtung von Menschenrechten sowie ethischen und moralischen Grundsätzen. Auf ganzen Webseiten erklären deutsche Unternehmen, wie toll und ethisch korrekt sie sich doch verhalten. Na klar, wenn Investoren plötzlich auf so etwas achten, muss man ihnen auch vorgaukeln, man gehöre dazu. Doch am China-Disput wird klar, wie hohl das Nachhaltigkeits-Geschiss aus den Därmen der PR-Agenturen wirklich ist. Es zählt nur das Geld, nie wurde es so deutlich wie in den vergangenen Tagen.

Ich wünsche mir nur, dass Frau Merkel unter dem gelben Druck nicht einknickt und unsere Unternehmer sich einfach offiziell wieder so geldgeil geben, wie sie es auch früher immer taten. Diese ganze Heuchelei tut echt weh.

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• Dit Kopireit von den janzen Kram hier liecht beim Harry Kayne. Wer einfach abschreibt, ohne su fragn, is doof und stinkt. Allerdings kann der Harry ja dumme Abschreiber ooch nich einfach fahaun, oder? •

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