Der idiotische Kampf um Arbeitsplätze
von Harry Kayne am Aug.24, 2009, unter Wirtschaft

Hubwagenmeister Karl-Heinz Töffke ist traurig. Seinen Arbeitsplatz übernimmt ein japanisches Unternehmen.
„Wir müssen die Arbeitsplätze bei Opel erhalten“, trompetet der gängige Politiker dieser Tage gern ins Wahlkampfhorn. Okay, klingt ja auch viel besser als ein schnödes: „Wählt mich, ihr blöden Säcke! Ich bin besser als wie der Andere“ Nur wenn wir uns einmal mit ausnahmsweise eingeschaltetem Gehirn überlegen, was denn da für ein Kampf tobt, fällt uns sofort die Geschichte mit Don Quixote und den Windmühlen ein.
Schlagen wir das kleine Buch der Volkswirtschaftslehre auf, finden wir da den Hinweis, dass es für ein Gut immer eine bestimmte Nachfrage gibt. Die hängt von der Qualität und vom Preis des Gutes ab (allerdings nicht von der Anzahl der produzierenden Hände). Gehen wir also davon aus, dass es der Weltbevölkerung in diesem Jahr nach 10 Millionen Autos gelüstet, dann müssen sich Toyota, Porsche, BMW und so weiter um diesen Markt dreschen.
Leider können wir nicht alle Nadelstreifenträger in einen Raum sperren, ein paar Auspüffe verteilen und sie sich gegenseitig an die Omme donnern lassen. Denn der Kampf passiert auf dem Markt. Hier gewinnt der Stärkere, Billigere, Bessere. Was Opel leider nicht so richtig war. Wenn wir also Opel künstlich am Leben halten, weil es ja ein deutsches Unternehmen ist, nehmen wir der Konkurrenz Marktanteile weg, die sie sich eigentlich verdient hätte. Also gehen dort wahrscheinlich Arbeitsplätze flöten, zumindest werden weniger geschaffen. Kann uns aber scheißegal sein, weil die in Japan, Indien oder China wären. Deutsche Arbeitsplätze sind wichtiger.
Dasselbe bei Arcandor. Die dort geretteten Arbeitsplätze (= verzögerten Kündigungen) gefährden den Kaufhof-Verkäufer. Denn der Kunde kauft nicht einfach mehr, weil er Arcandor retten will. So sozial ist er dann doch nicht.
Diesen Konflikt können wir nur lösen, indem wir dafür sorgen, dass die Nachfrage sich vergrößert. Zum Beispiel durch die Abwrackprämie oder die Überzeugung, dass wir auf unserem Planeten noch viel zu wenige Autos umhertöffen haben. Jedem Menschen sein Auto, das wären 6,5 Milliarden Autos. Was für ein majestätischer Anblick wäre das?!
Foto: Berenike Bonner / Bilderpics
Diesen Eintrag drucken



