Abends vor dem Feiertag: Der Blitzkrieg ums Fressen
von Harry Kayne am Okt.05, 2009, unter Gesellschaft
Nein, ein Besuch im Supermarkt am Abend vor einem Feiertag ist nicht lustig. Für keinen der Beteiligten, sei es vor oder hinter dem Kassierertresen. Denn an so einem Abend lieben nicht nur Edeka-Mitarbeiter Lebensmittel. Ganz Deutschland befindet sich auf dem Feldzug für ein kleines Bisschen zu Beißen.
Nur an einem solchen Feiertagsvorabend kann es passieren, dass es in einem Rewe-Supermarkt größerer Größe keine einzige Gewürzzwiebel mehr gibt. Ausverkauft, weggebalgt, mit Blut bezahlt und gehortet für den langen, langen Feiertag. Denn es wird eng an so einem Feiertag, ganz besonders, wenn er auf einen Samstag fällt. Und wenn man genau dann eine wichtige Zwiebel braucht – nicht auszudenken.
Er ist schwierig, vorher zu erkennen, so ein Feiertag. Meistens versteckt er sich heimtückisch im Kalender, um dann ganz plötzlich über die Menschen herzufallen. Wie oft haben wir gedacht: „Vielleicht gibt es dies Jahr keine Weihnachten.“ Und dann stand es plötzlich doch vor der Tür. Einen Tag zuvor haben wir es noch bemerkt. Gerade noch rechtzeitig, um wie Millionen andere überraschte Deutsche den Supermarkt zu stürmen und was zu Fressen zu erkämpfen, zum Beispiel eine leckere Zwiebel. Erinnerungen an das, was Hitler damals mit Polen getan hat, werden in dieser Situation wieder präsent. Wer dann den Blitzkrieg besonders gut beherrscht, wird den Feiertag am Ehesten überleben.
Ich musste am Freitag mit einer Gemüsezwiebel vorlieb nehmen. Andere gab es nicht mehr. Ich habe den Krieg verloren. Schande über mich.
Diesen Eintrag drucken



