Spekulanten treiben Preise, Preise treiben Spekulanten
von Harry Kayne am Okt.02, 2009, unter Finanzen
„Die Geldanlage in Rohstoffe ist der beste Schutz vor Inflation“, welcher halbwegs interessierte Anleger hat diesen Schwachsinn nicht schon in einem bunten Prospekt gelesen. Gerade die erhöhte globale Nachfrage nach allem, was man essen, trinken, tragen und einschmelzen kann, werde die Preise treiben. Und deshalb müssen Sie, genau Sie, lieber Anleger, jetzt Rohstoffe kaufen.
Zunächst müssen wir jedoch festhalten, dass die Geldanlage in Rohstoffe keine tatsächliche Investition sondern eine reine Preisspekulation ist. Bei Investitionen arbeitet Geld, wie beispielsweise in einer Aktie oder Anleihe. Es fließt in die Wirtschaft, wird für Produktionsvorgänge verwendet und wirft Gewinne in Form von Dividenden oder Zinsen ab. Wo passiert das bitte bei Rohstoffen?
Noch schlimmer ist aber der Effekt, den das Spekulantenpack in seiner Furcht vor Inflation anrichtet: Aus Angst vor steigenden Preisen kaufen sie Rohstoffe und treiben dadurch die Preise künstlich weiter empor. Produzenten werden die höheren Rohstoffkosten auf die Produktpreise umwälzen. Hosen, Brot (Foto), Bier und Benzin werden teurer und voila: Inflation. Natürlich sind sie das nie gewesen, behaupten Rohstoffspekulanten stets mit leicht wässrigem Blick. Dazu hätten sie viel zu wenig Geld. Erstens stimmt das jedoch nicht, denn die Summe der Rohstoffgelder ist gigantisch, und zweitens treibt jeder zusätzlich investierte Euro den Preis, wie wir es damals im Fach Volkswirtschaft an der Angebots- und Nachfragekurve ablesen konnten.
Wer war eigentlich zuerst da? Der Spekulant oder die Inflation? Natürlich die Inflation. Aber der Spekulant verschlimmert sie ohne gleichen und freut sich am Ende über steigende Preise. Wen es mal wieder am härtesten trifft, das sind die, deren Einkommen nicht so schnell mit steigen.
Ein zynisches Spiel.
Diesen Eintrag drucken



