Schmeißfliegen-Alarm: Mehr Netto macht die Banken geil
von Harry Kayne am Jan.18, 2010, unter Finanzen
Wenn ich einmal eines schönen Tages einen großen Haufen in den Wald scheiße, rücken sofort jede Menge Schmeißfliegen an, um sich über die frische Leckerei her zu machen. Dem Hund im Stadtpark oder an der Bushaltestelle geht es nur unwesentlich anders.
Finanzberater verhalten sich kaum besser als unsere geflügelten Freunde mit den Komplexaugen. Zwar stehen sie nicht so offensichtlich auf Scheiße, dafür aber unsere hart verdiente Kohle. Jüngstes Beispiel ist das Anfang dieses Jahres in Kraft getretene Bürgerentlastungsgesetz. Zur Erinnerung: Vatter Staat erlaubt uns gnädigerweise, ein paar der überteuerten Pflichtversicherungen von der Steuer abzusetzen (Beispiele hier).
Doch kaum bekommt der leidgeprüfte Otto-Normal-Geldausgeber so monatlich ein paar Kiesel mehr in die Tasche, treten schon die gierigen Krawattenschwinger auf den Plan, um sie uns sofort wieder aus dem Kreuz zu leiern. Von wegen mal schick essen gehen, was schönes kaufen oder gar das Konto ausgleichen? Pustekuchen. „Du musst doch etwas für deine Altersvorsorge tun“, hebt der gemeine Finanzberater warnend den Zeigefinger, „sonst geht es dir später dreckig.“ Komisch. Wie es mir jetzt gerade geht, das interessiert ihn nicht. Briefe mit Beratungsangeboten landen in meinem Briefkasten, mein Bankberater hat auch schon angerufen und mit seiner Kompetenz gewunken.
Meine Frage lautet aber nun: Wo wart ihr Blinsen, als mein Netto noch Jahr für Jahr geschrumpft ist? Pflegeversicherung neu eingeführt, Arbeitslosenversicherung erhöht, Krankenkassenbeitrag vereinheitlicht – natürlich nach oben. Die vergangene Dekade war nicht gerade die Ära des Netto-Booms. Damals hat mein Berater nicht angerufen und gefragt, ob er mir monatlich was zuschießen darf. „Die Arbeitnehmer gewöhnen sich an sinkendes Netto-Einkommen“, heißt es in solchen Fällen beruhigend aus der Beraterszene. Dass sich Menschen aber auch steigende Einkommen ratzfatz gewöhnen, ist den Schlipsis eher nicht geläufig.
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