Akustik-Terror täglich – Jugend braucht Lala
von Harry Kayne am Mai.25, 2010, unter Gesellschaft
Wissenschaftliche Versuche haben ergeben, dass ein durchschnittlicher Jugendlicher ab 12 Minuten in völliger Stille bereits anfängt, nervös zu zucken. Ab Minute 26 drehen sich die Pupillen nach innen. Weitere 13 Minuten später bilden sich Krämpfe. Und in Minute 45 stellt sich – sofern vorhanden – der Hirntod ein. Schön ist das nicht.
Und der Einschlag in die Umwelt ist enorm. So passiert nicht selten folgendes: Ihr sitzt ahnungslos in der Untergrundbahn, und ganz plötzlich bläkt ein Handy los. Aus einem mickrigen, minimalistischen Mikrolautsprecher plärrt eine orientalische Melodei, die selbst die Kreuzritter ganz sicher in die Flucht geschlagen hätte. Sie ist ein Zeichen der Halbstarken, der Jugend, unserer Zukunft.
Der heutige Pickelträger kann nicht mehr ohne Lala. Er braucht eine Box, einen Lautsprecher oder eine Membran, die ihn mit irgendeiner Form akustischen Terrors beschallt. Gern lädt er auch seine Umwelt zu diesem Ritt auf der Schallwelle ein, ob sie will oder nicht.
Die Stille ist dem halbstarken Lärmkonsumenten unheimlich. Das geschriebene Wort ist ihm ein Buch mit sieben Siegeln. Die Ruhe stinkt. Arbeitsplätze ohne Radio sind ein Todesurteil. Um seine Sucht auszuleben, nimmt er selbst den Ritt in die Steinzeit in Kauf. So unterscheidet sich das Frequenzband seines Handys nur unwesentlich von dem einer Box aus den dreißiger Jahren. Pack das Grammophon in die Funke. Retro-Technik mal anders. In den 80er Jahren wäre uns dieser Sound peinlich gewesen. Der heutigen Jugend ist er es offenbar nicht.
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