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Gibt es intelligentes Leben im Radio?

von Harry Kayne am Mai.19, 2010, unter Unterhaltung

Die Lösung könnte so einfach sein

„Wir spielen die Hits!“, „Die Superhits der 70er, 80er, 20er, 90er und die größte Scheiße von heute!“, „Der beste Mix“, „Wir haben den Längsten!“ und „Wir sehen am Besten aus!“. Wer kennt sie nicht, die sinnentleerten Sprüche (deutsch: Claims), die uns täglich das Radio aus den Lautsprechern um die Ohren pustet.

Sie zeigen uns einmal mehr, was aus dem einst so wertvollen Medium Radio geworden ist: Eine Abspulstation für Musik-Endlosschleifen und ein Auffangbecken für geistig gestörte Schwätzer die nur noch aufsagen, was man ihnen diktiert.

Wann hat es mein Morgensender NDR2 jemals geschafft, ein Lied zu spielen, das ich noch zuvor gehört hatte? Kurze Antwort: Nie. Denn dazu bräuchte es Geschmack, Mut zur eigenen Meinung und kein Diktat irgendwelcher Medienheinis. Vielleicht hätte den Radiomenschen mal jemand mitteilen müssen, dass ihre Hörer nicht immer nur totgedudelte Grütze hören wollen. Lieber mal Frischobst statt labberigem Burger.

Höre ich dagegen die löbliche Ausnahme Radio1 aus Potsdam, den älteren Bruder von Radio Fritz – voila, gleich mal eben aus der Hüfte vier tolle Songs pro Stunde, die ich noch nicht kannte. Und die Potsdamer brechen gleich noch eine andere Regel: Sie sprechen vernünftige, frei formulierte Sätze, haben echte Gedankengänge und führen sogar hochwertige Interviews zu aktuellen Themen. Okay, das mag den einen oder anderen Radiohörer überfordern und versaut den anderen Sendern den Schnitt. Ist unterm Strich aber erfreulich.

Hier im hohen Norden dagegen seiert ein gefühltes Rudel behämmerter Aufsag-Roboter brav immer wieder ihren Spruch auf, sie hätten die größten Hits in der größten Abwechslung. Und dann kommt Phil Collins.

Wobei hier NDR2 ja noch geht, im Vergleich zu echten Blinsensendern wie “Das Neue Alster-Radio”, FFN oder N-Joy.

Richtig peinlich wird es allerdings, wenn Radio-Leute versuchen, witzig zu werden. “Der kleine Nils” war schon schrecklich. Aber ein besonders schönes Beispiel aus der Gegenwart ist „Frühstück bei Stefanie“, eine Art Hörspiel, das ein paar zurückgebliebene 13-Jährige ansatzweise zum Schmunzeln bringen könnte. Jeden Morgen terrorisiert NDR2 seine geplagten Hörer mit dem gefaselten Stumpfsinn, den Stefanie und ihre unterbelichteten Hirntoten absondern.

Es ist ja mittlerweile bekannt, dass es die Menschen aus Hamburg mit dem Humor nicht so haben, aber diese Stefanie sprengt alles. Eine Pointe, einen interessanten Ansatz oder gar Humor – wer braucht das schon. Aber Gott sei Dank können wir „Frühstück bei Stefanie“ auch auf CD kaufen. Vielleicht finden wir nach dem immer und immer wieder Hören etwas Witz.

Nein, es gibt kein intelligentes Leben im Radio. Es ist vor vielen vielen Jahren gestorben. Möge es in Frieden ruhen – und vor allem im Sarg kein Radio haben.

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• Dit Kopireit von den janzen Kram hier liecht beim Harry Kayne. Wer einfach abschreibt, ohne su fragn, is doof und stinkt. Allerdings kann der Harry ja dumme Abschreiber ooch nich einfach fahaun, oder? •

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