FSK patzt bei Julie Delpys „Die Gräfin“
von Harry Kayne am Aug.04, 2010, unter Film
Das Wörterkraftwerk präsentiert ein weiteres Kapitel aus der Serie Pleiten, Pech und Blödsinn unserer liebgewonnenen Fröhlichen Sonderbaren Knallköppe (FSK). Denn ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus, als ich den Historienschinken „Die Gräfin“ von und mit der französischen Schauspielerin/Regisseurin Julie Delpy sah.
Prangt doch auf dem DVD-Cover das giftgrüne Logo „ ab 12 Jahre“. Und so präsentierte sich mir der Jugendfilm: Hier wurde ordentlich gevögelt, die Gräfin schlitzt sich selbst die Brust auf, lässt Jungfrauen ausbluten, zerhacken und die Reste den Wölfen zum Fraß vorwerfen. Da liegt mal eine Leiche ohne Mittelteil auf dem Tisch, da läuft Blut aus der Kehle. Und die Kamera hält immer feste drauf. Viel Spaß, liebe präpubertierenden Zuschauer. Schlaft gut, nach diesem Gemetzel und schöne Träume!
Müssen die Schnuckis alles sehen?
Schon bei „Schindlers Liste“ und dem „Baader Meinhof Komplex“ habe ich mich gefragt: Historisch korrekt hin oder her, aber müssen auch Zwölfjährige durch solche Blutbäder waten dürfen? Müssen sie denn wirklich alles aus der unrühmlichen Vergangenheit der so genannten intelligenten Spezies Mensch sehen sollen? Und dazu ein Tässchen Blut?
Und warum darf dagegen nicht einmal ein Achtzehnjähriger, also Erwachsener, einen Zombiespaß wie „Planet Terror“ ungeschnitten sehen? Denn den hat die Kommission nur stark geschnitten ab 18 Jahren freigegeben.
Die Arbeit der FSK mag ja in guter Absicht geschehen. Die Ergebnisse sind inzwischen mehr als fragwürdig. Eltern seid gewarnt.
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August 4th, 2010 on 13:26
Hm… Die FSK begründet die Freigaben grundsätzlich – so zum Beispiel nachzulesen für “Der Baader Meinhof Komplex” unter http://www.spio.de/index.asp?SeitID=415. Eine Ähnliche Begründung dürfte es auch für den Film “Die Gräfin” geben (zugegeben: ich kenne diesen Film nicht), da in dieser Kommission neben FSKlern auch Pädagogen, Vertreter der Kirchen und Privatpersonen sitzen. Erwähnen sollte man außerdem, dass die FSK als Unterorganisation der SPIO (Spitzenorganisation der Filmwirtschaft) ein Interesse daran hat, dass Filme eine Freigabe erhalten (ohne Freigabe dürfen Filme in D nicht beworben werden). Gäbe es die FSK nicht (eine private Institution!), würde der Staat diese Aufgabe übernehmen und das kann ja nun wirklich keiner wollen. Abschließend sei gesagt: auf den Index (der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien) lässt die FSK nichts setzen. Das ist nämlich ein Verwaltungsvorgang auf Antrag und erfolgt meist von Kommunen oder dem jeweiligen Landesamt direkt bei der BfjM. Die FSK hat kein Interesse daran, dass Medien auf dem Index landen und wir daher keinen Antrag in dieser Richtung stellen. Und ganz zum Abschluss: die FSK selbst schneidet keine Filme – das ist eine “Urban Legend”. Sie gibt Schnittauflagen, wenn bspw. eine bestimmte Freigabe (z.B. ab 16) vom Filmverleih gewünscht ist oder aber ein Verstoß gegen § 131 StGB (Gewaltverherrlichung) vorliegt. Die FSK kann nichts für den gesetzlichen Rahmen, dem sie unterliegt.
August 4th, 2010 on 13:39
Die Baader-Meinhof-Begründung hatte ich gelesen, teile sie aber nicht. Wie ich sagte: Die Arbeit der FSK ist ganz gewiss gut gemeint. Nur sind einige Urteile sehr fragwürdig und nicht nachzuvollziehen, auch wenn sie die Anstalt noch so schön begründet. “Die Gräfin” war einfach der krasseste Fall seit langem.
August 4th, 2010 on 13:43
Den Satz mit dem Index habe ich korrigiert. Sorry, mein Fehler.
August 5th, 2010 on 07:38
Hallo. Danke fürs Feedback. Natürlich kann die FSK mit ihren Freigaben nicht allen gerecht werden und manchmal wirkt es wirklich wie Willkür. Dennoch denke ich, dass es bei “Die Gräfin” der historische Bezug ist, der diese Freigabe hervorrief (habe mal ein wenig im Internet recherchiert, worum es in dem Film überhaupt geht *g*). Nett finde ich den Artikel in der Süddeutschen Online: http://www.sueddeutsche.de/kultur/kino-die-graefin-blut-ist-das-neue-botox-1.83350. So, nun genug der Worte – auch der FSK-Blog war wie immer gut zu lesen und ich freue mich auf den nächsten Blog!