Stuttgart 21: Staat zeigt seine Version der Demokratie
von Harry Kayne am Aug.27, 2010, unter Politik
Schöner als beim Monsterprojekt „Stuttgart 21“ kann unser heißgeliebter Staat gar nicht zeigen, was er von echter Demokratie hält. Da ist eine ganze Stadt gegen das wahnwitzige Vorhaben, einen unterirdischen Schnellbahnhof zu bauen, und trotzdem baggern die Bagger munter weiter. Dass das ganze so nützlich ist wie ein verstopftes Bahnhofsklo und so günstig wie ein Weltraumprogramm – wen stört’s? Alles nur Querulanten. Wissen nicht, was gut für sie ist. Alles für den Aufschwung.
Wie es auch Die Ärzte in ihrem sehr treffenden Lied „Die klügsten Männer der Welt“ besingen, tun auch hier die Stuttgarter Geistesleuchten genau das, was sie tun müssen. Und notfalls muss man dem Dummvolk auch mal zeigen, wo der städtebauliche Hammer hängt.
Das erinnert mich an eine Zeit, in der einige Hochwohlgewählte die Bundesländer Berlin und Brandenburg zusammenschließen wollten. Erst nach einem eindeutigen Volksentscheid mussten sie ihre Schwänze bekümmert wieder einziehen. „Wir haben es dem Volk nicht gut genug vermittelt“, hieß es damals. War aber falsch. Das Volk hatte nur zu gut verstanden, was damals lief – und es als das abgestempelt, was es war: gequirlte Scheiße.
Mal sehen, wann auch die Stuttgarter Bahnhofs-Gang mitbekommt, dass sie sich gerade über eben jene Menschen hinwegsetzen wollen, die sie gewählt haben. Notfalls kann man den Konflikt auch auf die chinesische Variante lösen: die Demonstranten einfach wegschießen.
Demokratie es schon was feines – wenn man sie hat. Aber alle vier Jahre wählen lassen, reicht dafür nicht aus. Man muss dem Volk auch zwischendurch mal zuhören.
Und hier sieht das ein anderer Blogger ganz ähnlich. Offenbar kommt die Geduld der Deutschen wirklich langsam zum Ende. Wurde auch Zeit.
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