Wörterkraftwerk

Die Toleranz des Rauchers

von Harry Kayne am Jun.29, 2011, unter Gesellschaft

Es ist endlich an der Zeit, der wohl aufgeschlossensten und nächstenliebenden Gattung des Deutschen ein Denkmal zu setzen – dem Raucher.

Nicht in der Lage, die Pfote von der Fluppe zu lassen, durchziehen des Rauchers Nebelschwaden unseren Alltag. Weder Verbotsschilder noch der Wunsch nach einem Bahnhof mit durchsichtiger Luft können ihn abhalten. Wo er geht und steht, bläst er seinen übelriechenden Dunst in die Umwelt oder gleich direkt in unser Gesicht. Schon morgens wirkt die Bushaltestelle wie das Fernmeldeamt eines Indianerstammes. Vor den Türen der Geschäfte lungern bereits die Angestellten mit dem Tabakgeröll in der Fressspalte.

Versucht die Gesellschaft, sich per Gesetz vor dem Gewölk zu schützen, geht der Stinker solange auf die Barrikaden, lobbyiert und droht mit Kneipensterben, bis das Gesetz aufgeweichter ist als eine Kippe im Regen. Saufen kann man selbstverständlich nur mit Fluppe im Nebel.

Es sei sein gutes Recht, rechtfertigt Freund Smokie immer wieder seine Attacke auf unsere Lungenflügel. Wer ihm das Rauchen verbietet, beschneide seine Menschenrechte. Heißt natürlich im Umkehrschluss, dass es jedermanns Recht ist, seine Mitmenschen schrittweise zu vergiften. Schließlich dampft er ja nicht nach innen. Dann leite ich daraus für mich das Recht ab, neben jedem Raucher stets ordentlich einen fahren zu lassen. Mal schauen, ob er mault.

Es ist in der Tat verblüffend, mit welchem Selbstverständnis der Stinker seine Umwelt verpestet. „Es macht dir doch nichts aus, wenn ich rauche?“, lautet die immer gleiche Suggestivfrage kurz vor dem Gebläse. Wer traut sich dann, noch ja zu sagen? Vor gut 17 Jahren hatte ich es einmal gewagt. Es war in dem Raucherclub namens Bundeswehr bei einem Sektfrühstück unserer Kompanie. Als unser Chef aufgemampft hatte, fragte auch er mit prüfendem Blick in die Runde, ob es jemanden störe, wenn er sich ein Zigarettchen anzündet (diese Verniedlichung gebraucht der Raucher gern, es lässt das Gift in einem weniger dramatischen Licht erscheinen). Ich sagte, doch, ich. Schließlich war ich noch nicht fertig. In den folgenden zehn Minuten referierte Chefchen unermüdlich, wie intolerant ich doch sei. Er haderte so sehr mit seinem Schicksal, dass mir beinahe die Tränen kamen. Als ich runtergekaut hatte und die Freigabe erteilte, brauchten die mittlerweile ebenfalls wartenden Kameraden keine zehn Sekunden, um den Raum in eine Räucherhöhle zu verwandeln.

Besonders gern legitimiert der Wolkenaugust seinen Müffelterror damit, dass er ja auch ordentlich Steuern auf sein Laster zahle. Und der Staat brauche ja schließlich das Geld. „Die ersten, die gerne Steuern zahlen“, ist das Erste, was mir dazu einfällt. Das zweite sind die Kosten für die Krebsbehandlungen, die wir alle später schultern dürfen. Ich habe einmal in der Lungenheilklinik in Berlin (Buch) gelegen. Und ganz offensichtlich war ich der einzige Nichtraucher unter den Patienten. In meinem Zimmer lag einer, dem sie gerade einen kompletten Lungenflügel rausgenommen hatten. Das und die folgende Reha sind bestimmt nicht billig.

Schon beeindruckend, was sich ein paar Süchtige in diesem Land herausnehmen dürfen. Es lebe die Toleranz.

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1 Kommentar vorhanden

  • DERBÖSEWOLF

    Darf ich Rauchen?- JA wenn du dabei nicht ausatmest!!

    1. Die NOA (natives of America) haben früher noch das “gute Zeug” geraucht, da würd sich jeder gern in die Abgase stellen. :D

    2. Du intolerantes Schwein duuuuuuuu,
    im Ernst, meine Toleranz durch permanente Oralflatulenzen strapazieren und bei der Bitte um Mäßigung meckern, das zeugt von Charakter…

    3. Tatsächlich ein Märchen; Raucher nippeln im Schnitt wirklich früher und schneller ab als NR, was meinst du warum der NR-Schutz in Deutschland so schleppend voran geht.
    Zu denken geben sollte dir schließlich, daß du als Nichtraucher in der Lungen(muhuharhar)HEILanstalt gelegen hast.

    (Immer nach dem Motto: 50% der Menschen sterben an Alkohol, Nikotin und sonstigen Drogen, der Rest stirbt ohne (Spaß) trotzdem.)

    DBW
    der auch was gegen dauerstinkende NiKOTinjunkies hat, aber auch nicht abgeneigt ist mal eine gutgebaute Kubanerin mit langen Schenkeln, bzw. auf solchen gerollt, zu vernaschen.

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• Dit Kopireit von den janzen Kram hier liecht beim Harry Kayne. Wer einfach abschreibt, ohne su fragn, is doof und stinkt. Allerdings kann der Harry ja dumme Abschreiber ooch nich einfach fahaun, oder? •

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