Tag: Gesellschaft
Gewaltbereit, immer bereit
by Harry Kayne on Okt.24, 2009, under Gesellschaft
Neue Zeiten brechen an. Endlich. Der Mann zählt bald wieder als Mann, der Jugendliche auch. Immer die Faust in der Tasche, immer bereit, dem anderen gepflegt eine runter zu hauen. So wie das früher auch üblich war, als die Frauen noch Fell hatten und die Männer sich noch ohne Navi in der Welt zurecht fanden.
Heute Nacht zum Beispiel wurde ich Zeuge, wie sich zwei aufrecht gehende Gestalten in einem Schnellrestaurant gegenseitig lustvoll die Fresse färbten. Streitthema war, soweit ich das richtig mitbekommen hatte, ein Trinkröhrchen. Und als Grund finde ich das überhaupt nicht zu wenig. Denn wenn mir ein anderer an mein Röhrchen geht, würde auch ich ihm kräftig eine tachteln. Macht man ja schließlich so als zivilisierter Mensch. Keine Zeit für Diskussion. Die Faust ist das bessere Argument – und sie macht nicht so einen Lärm wie das andauernde Geschwafel beim Ausdiskutieren.
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Jugend forscht – und findet den Amoklauf
by Harry Kayne on Sep.25, 2009, under Gesellschaft
Na klar, ist doch logisch. Wenn uns die böse Welt da draußen nicht mehr lieb hat. Und wenn uns die Mitschüler nicht nur auf den Nerven, sondern neuerdings auch auf dem eigenen Körper rumtrampeln, dann liegt der Griff zur Axt irgendwie auf der Hand. Sollen sie doch mal sehen, was sie davon haben, die blöden Schweine.
Früher haben wir uns noch bei Mami und Papi ausgeheult. Doch die haben heute sowieso keine Zeit mehr. Sind ja erfolgreiche Geschäftsleute und so. Dafür sponsern sie uns die Ballermänner für den Feldzug. Wo der Schlüssel liegt, ist seit Monaten klar. Wie sie funktionieren, hat Papa uns persönlich beigebracht, der alte Knarren-August. Und wie es aussieht, wenn ein Projektil menschliches Fleisch zerfetzt, wissen wir spätestens seit „Soldier of Fortune“. Und hat Papa keine Wumme im Schrank, nehmen wir halt was anderes. Was sich so bietet. Molotov-Cocktail oder so. Mal sehen, wie die Elisabeth aus der 10 b uns anguckt, wenn sie erstmal lichterloh brennt. Bestimmt nicht mehr so arrogant wie sonst immer. Und wenn doch, dann kriegt sie noch eins mit dem Hammer.
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Ratten mit Latten – Forscher entwickeln neues Potenzmittel
by Harry Kayne on Sep.22, 2009, under Gesellschaft

Ziel der Anstrengung: Der glückliche Lümmel (Foto: Harry Kayne)
Wow, pünktlich, bevor ich alt genug für den Scheiß werde, ist es soweit: Forscher entwickeln eine neue Creme, die das Problem mit dem schlaffen Schwänzlein beheben und den Pürzel bei Bedarf heben soll. Endlich fällt das Schlucken der sperrigen blauen Pillchen weg. Endlich heißt es: Latten-Creme auf die Nudel geschmiert und los. Allerdings braucht das Schmiermittel wohl gut eine bis anderthalb Stunden, bevor es wirkt. Beim abendlichen Kneipenbesuch sollte der Schlaffmann also pünktlich wissen, ob es heute noch zur Sache geht oder nicht.
Den Durchbruch erzielten die Forscher übrigens bei einem Experiment mit Ratten. Ich muss zugeben, dass ich mir bei dem Gedanken an 50 Nagetiere mit aufgepumpten Rattenschwänzen ein leichtes Grinsen nicht verkneifen kann. Aber wenn es dem Erhalt der Erotik dient.
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Nicht totzukriegen: Der gute alte Arschkeks
by Harry Kayne on Sep.17, 2009, under Gesellschaft
„Ey, du Arschkeks!“, brüllte soeben mitten in der Stadt ein Jugendlicher dem anderen freundlich zu. Okay, immerhin ist das deutlich origineller als ein geschmettertes „Digga“. Und es zeigt außerdem, dass manch schönes Schimpfwort einfach nicht totzukriegen ist. So kenne ich den Arschkeks noch aus meiner eigenen Jugend, die immerhin vor mehr als 20 Jahren stattfand und obendrein noch in einem völlig anderen Land namens DDR. Schöne Wörter kennen eben keine Grenzen und sind einfach zeitlos.
Mir fallen sofort auch solche poetischen Schimpfkonstruktionen wie „Arschkuh“, „Pissnelke“ oder der Klassiker „Arschloch“ ein – alles dreimal besser als das doch sehr gekünstelte „Turnbeutelvergesser“.
Was ein Arschkeks wirklich ist, lasse ich an dieser Stelle offen. Es gibt ihn nicht, es wird ihn nie geben, und der Gedanke, wie aussehen mag, ist auch kein wirklich schöner.
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Bild und die Schweinegrippe: Es fehlt nur das „Hurra“
by Harry Kayne on Sep.02, 2009, under Gesellschaft
Zynischer geht es kaum. „Erster Deutscher in Lebensgefahr“ titelte das seriöse deutsche Informationsmagazin „Bild“ heute Morgen fett auf der ersten Seite. Und ich vermute einmal, dass die Worte „Na endlich“ oder „Hurra!“ einfach nicht mehr in die Schlagzeile gepasst haben. Und wie viel die Firma Roche für den freundlichen Hinweis auf die tolle Wirkung von Tamiflu bezahlt hat, bleibt wohl offen.
Kaum ein Wurstblatt hat sich bisher so skandal-geil und reißerisch auf die vermeintliche Todesgrippe gestürzt wie „Bild“. Nur leider gab es bis jetzt in Deutschland noch keine Toten zu zählen. Schade. Na wenigstens haben weltweit ein paar Opfer gnädig für ein paar Schlagzeilen den Löffel weggeschmissen.
Was kommt nun noch? Vielleicht die Schlagzeilen: „Bald haben wir alle Schweinegrippe!“, „Pharmaindustrie fordert mehr Grippe-Tote“ oder auch „Bild gratuliert dem 100. Grippe-Toten“. Denkbar wäre es.
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Das Staunen in den Daunen: Sex wird verschätzt
by Harry Kayne on Aug.31, 2009, under Gesellschaft
Es ist merkwürdig, aber geht es um den schönsten Rhythmus der Welt, gibt es die lustigsten Meinungen zu bestaunen. Die einen unterschätzen ihn, die anderen überschätzen ihn, manche machen beides gleichzeitig. Und insgesamt verschätzen sie Sex völlig.
Das erste Mal: Wie ist es eigentlich zu erklären, dass sich noch immer Menschen bis zur Ehe für den anderen „aufheben“ wollen? Die Frage, die diese Personen sich stellen lassen müssen, lautet: WAS heben sie eigentlich für den Partner auf? Der Gedanke der Reinheit ist angesichts unserer heutigen hygienischen Leistungsfähigkeit nur schwer vermittelbar. Im Grunde genommen ist es nur die grandiose Unerfahrenheit, die der Ungebumste seinem Ehepartner aufbürdet. Und gleichzeitig damit verbunden auch die Aufgabe, diese Unerfahrenheit zu beseitigen. Ein Bildungsauftrag, auf den ich beispielsweise gerne verzichten könnte. Und was die berühmt-berüchtigten Jungfrauen-Knacker an ihrem Hobby so toll finden, habe ich bis heute noch nicht verstanden. In dieser Hinsicht wird Sex, insbesondere das erste Mal, völlig überschätzt.
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